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Der aus der Kinderwelt    (Kundenmagazin "DB mobil", Februar 2009)

Erwachsene haben keine Ahnung davon, wie Kinder spielen – behauptet der Designer Günter Beltzig. Und entwirft Geräte und Spiellandschaften, die die Kleinen nicht einengen, sondern fordern. Seine Erkenntnisse aus der Kinderwelt sind international gefragt.

Mehrere tausend Quadratmeter groß ist Günter Beltzigs Testgelände zwischen seinem Haus und dem Deimhausener Friedhof. Beltzig ist Spielplatz-Designer und hat hier über Jahre eine wilde Spiellandschaft geformt – hat Sand zu Dämmen und Hügeln aufschütten lassen, Bäume und Büsche gepflanzt und das Gelände dann sich (fast) selbst überlassen. Dort spielen nun die Kinder des Ortes, und der 68-Jährige studiert ihr Verhalten immer wieder.

„Spielen ist, an Grenzen zu gehen. Spielen ist das, wo wir Erwachsenen sagen, ‚hör auf’. Kindheit ist ein sich ständig verändernder Prozess. Was ich heute noch nicht kann, traue ich mich morgen.“ Beltzig – dessen eigene Kinder längst groß sind – ist Experte für all das, was in der Erwachsenenwelt und auch zwischen den vielfach üblichen Schaukeln, Rutschen und Wippen fehlt. „Wo ist denn das Abenteuer, wenn alles überschaubar ist?“ In Hiroshima und München, in Puerto Rico und Pfaffenhofen, in New York, London und Schrobenhausen spielen Kinder inmitten seiner Ideen. Die von Beltzig erdachten Spielgeräte und Landschaften lassen Platz für Neugier, Entdeckungen, Mutproben.

Als Linkshänder und Legastheniker war Beltzigs eigene Kindheit und Jugend in Wuppertal von Versagergefühlen geprägt  – und dem unerschütterlichen Willen, Erfinder zu werden. Während seiner Schlosserlehre habe ihm ein Berufsschullehrer zum ersten Mal Anerkennung gezollt. Beltzig studierte Industriedesign an der Wuppertaler Werkkunstschule und bekam einen Job in der Designabteilung von Siemens, damals das „Mekka des Designs“.

Des Variierens von Einstellknöpfen und Gehäusen überdrüssig, gründete er zusammen mit zweien seiner Brüder und einer Designerin – seiner späteren Frau Iri – die Kunststofffirma „Brüder Beltzig Design“. Aus Polyester entstand die erste Rutsche, die erste Rundschaukel, 1967 der Fiberglasstuhl „Floris“, eine Ikone des Kunststoffdesigns, der heute im New Yorker Museum of Modern Art steht. 1968 ist der skulpturale Stuhl eine der Attraktionen auf der Möbelmesse in Köln. Am Stand kommt ein schwarzgelockter Mann vorbei, voll des Lobes – es ist Luigi Colani und der Beginn einer mehrjährigen Zusammenarbeit.

Die Ölkrise 1973 machte seiner Firma die Existenz erst schwer, dann unmöglich. Er wurde Berater für Spielgerätehersteller. Zwar sichern die Lizenzen seiner Möbel und Geräte Beltzigs Lebensunterhalt, doch gibt es genug zu tun. Er strahlt über das ganze Gesicht – und wirkt gleich noch einmal zehn Jahre jünger.

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