Presse

     

 

Günter Beltzigs Zeichentisch: Hier entstand das Wasserspiel des Deutschen Museums ebenso wie die Neugestaltung des Kinder- und Jugendhilfezentrums St. Josef, das gerade in Schrobenhausen gebaut wird.

Querdenker und Visionär

Der Designer Günter Beltzig

 

Von Gerlinde Drexler

 


 

Deimhausen (SZ) Günter Beltzig ist Erfinder, Künstler und empirischer Sucher. Ein Stück weit ist er auch Philosoph und Weltverbesserer. Seit einigen Jahren hat sich der 65-jährige Designer auf das Entwerfen von Kinderspielplätzen spezialisiert.

 

„Ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, aber ich weiß, was man alles falsch machen kann", sagt der gebürtige Wuppertaler, der schon seit 35 Jahren seine Heimat in dem Hohenwarter Ortsteil Deimhausen hat, selbstbewusst. Mit seinem Konzept, bei dem auch die Pädagogik, vor allem aber die Zufriedenheit der Benutzer, also der Kinder, im Vordergrund steht, ist Beltzig schon seit Jahren auch international erfolgreich.

 

Vielleicht liegt die Wurzel eines Erfolges aber auch gerade in seiner großen Schwäche. „Ich bin Linkshänder und Legastheniker", erzählt er. In der Schule konnte er nie groß punkten, steckte aber voller Ideen und Träume. Er wollte Erfinder werden, wie Zeppelin oder Diesel sein und die „Günters" erfinden.

 

Eine Art Amphibienfahrzeug, mit dem er der Gegenwart und ihren Problemen entfliehen konnte. Rechtschreiben war nie seine Stärke, dafür konnte Beltzig sich umso besser über Zeichnungen mitteilen.

 

Nach einer Maschinenschlosserlehre kam er auf die Wuppertaler Werkkunstschule, machte dort seinen Abschluss und arbeitete bei Siemens in der Designabteilung. Damals, Ende der 60er Jahre, ein Mekka für jeden Designanfänger, erinnert sich der 65-Jährige. Bald jedoch kam die Ernüchterung. Seine Art von Kreativität konnte Beltzig zwischen Kühlschränken, Staubsaugern, Bügeleisen und Radios nicht wirklich ausleben.

 

Im Gegenteil. „Nach meiner Kündigung erhielt ich ein Zeugnis, das mich zum Revoluzzer stempelte", schmunzelt Beltzig.

 

Um seine Entwürfe umsetzen zu können, gründete er zusammen mit seinen Brüdern eine kleine Firma, entwickelte robuste Spielmöbel und -geräte, Inneneinrichtung und ausgefallene Stühle. Mit dem „Floris"-Stuhl, der mehr wie eine Skulptur aussah, wurde die Firma schlagartig bekannt. Der Designer machte sich selbstständig, doch der wirtschaftliche Erfolg blieb aus, obwohl die Kunststoffmöbel heute als Klassiker im New Yorker Art Museum und in vielen anderen europäischen Sammlungen zu finden sind.

 

Seinen Platz fand Beltzig, als er für einige Spielgerätefirmen zu arbeiten begann. Dort war sein Denken, das auf einem Kompromiss zwischen Design und Funktion basiert, gefragt. Einfach war es für den Designer trotzdem nicht. Literatur über das Design von Spielgeräten gab es kaum und wenn, dann entsprach sie nicht seinen Vorstellungen. Also machte er sich autodidaktisch ans Werk. „Das hatte den Nachteil, dass ich in viele Fettnäpfchen trat", erinnert sich der 65-Jährige. Und den großen Vorteil, dass er unbelastet von wissenschaftlichen Erkenntnissen an die Arbeit ging. „Für die Akademiker waren das ganz neue Denkansätze", so Beltzig, der inzwischen weltweit als der Spielplatzexperte gilt.

 

In zahlreichen Vorträgen und Seminaren in Europa und Amerika hat er über seine Ideen zur Spielplatzgestaltung referiert, viele Veröffentlichungen zum Thema behindertengerechtes Spielen und Kinderästhetik verfasst, den Spielgerätenormen mit gearbeitet und ein Buch über Spielplatzgestaltung geschrieben, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Seine Botschaft: „Überall da, wo der Erwachsene bremst, fängt für Kinder das Spielen an."

 

Weshalb es auch keine Patentlösung für Spielplätze gibt, sondern nur ein Beobachten, daraus lernen und die Erkenntnisse immer wieder aufs neue umsetzen. „Die Welt habe ich nicht verändert, aber vielen Kindern bessere Spielmöglichkeiten geschaffen", sagt Beltzig zurückblickend.

Seine Stuhlkreationen brachten Beltzig in den 70er Jahren auf eine Ebene mit den berühmtesten Designern der Welt.

zurück

Impressum & Copyright