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Der Spielplatz als Sozialraum: Günter Beltzigs Ansätze zum Thema Kinderfreundlichkeit wurden in der ganzen Welt umgesetzt.

Kindern Freiraum schaffen

Die Denkansätze des Spielplatzentwicklers finden weltweit Anklang

 

Von Gerlinde Drexler

 


 

Deimhausen (gdr) Ein Flugsaurier, in dessen Bauch man klettern kann, eine Drachenburg mit Holzstegen, Röhrenrutschen oder ganze Kletterlandschaften aus Holz und Netzen — das ist die Welt, in die Günter Beltzig die Kinder zum Spielen schickt. In seinem Atelier in der Deimhausener Schule entwirft der Spielplatz-Designer die Pläne, zeichnet sie alle liebevoll per Hand.

„Ein Spielplatz ist keine Landschaftsgestaltung, sondern ein hoch komplexer Sozialraum", so der Designer. Stolz ist er darauf, weltweit einer der wenigen zu sein, die sich mit der Gestaltung behindertengerechter Spielplätze befassen. „Spielen hat einen wichtigen Lern- und Therapieeffekt." Kinder lernen dabei spielerisch, Grenzen zu setzen, zu überschreiten und mit Gefahren umzugehen. Unbedingt notwendig: die Rückzugsräume. „Die vermitteln Geborgenheit und bieten Schutz vor den kontrollierenden Blicken der Erwachsenen", sagt Beltzig.

Nicht unbedingt das, was sich Eltern unter einem pädagogisch wertvollen Spielplatz vorstellen. Für Kinder jedoch ein Paradies, in dem sie ihre Kreativität ausleben können. „Pädagogik ist die Lehre, von uns Erwachsenen erdacht, die beschreibt, wie wir mit Kindern umgehen sollen, damit sie so werden, wie wir glauben, dass Kinder sein sollen", sagt der Spielplatzexperte. Zum Spielen brauche man jedoch Freiheit,

Raum, Zeit, Selbstbestimmung und eventuell Mitspieler. Wobei Spielen grundsätzlich gar keine Frage des Alters sei. „Selbst Erwachsene spielen", weiß Beltzig. Auch wenn die meistens einen triftigen Grund vorgeben würden, um das anders erscheinen zu lassen.

In zahlreichen Spielkonzepten in Europa und Amerika hat Beltzig seine Ideen schon umgesetzt: auf dem Spielgelände der Expo in Portugal, in der New Yorker City Hall of Science, im Naturspielgelände in Waging am See, dem Spiellabyrinth in Wien, bei den Wasserspielen im Kinderreich des Deutschen Museums in München, um nur einige zu nennen.

Das Projekt, das ihm im Moment am meisten am Herzen liegt: das Spielgelände im Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef, das er ehrenamtlich betreut.

Der Designer suchte nach einer Möglichkeit, seine Ansätze bei einem wohnortnahen Projekt zu verwirklichen, das er auch weiter betreuen könnte. Mit St. Josef hat er nun die Möglichkeit, hautnah das Wachsen des Spielgeländes mit zu verfolgen, zu experimentieren und zu beobachten, wie die einzelnen Bereiche angenommen werden. Nicht ganz uneigennützig natürlich, denn langfristig hofft Beltzig, seine Erkenntnisse daraus irgendwo auf der Welt bei einem lukrativen Auftrag verwerten zu können.

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