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Konzept Aufbaustudium zum Fachberater für kindgerechte öffentliche Bereiche und Kinderbedürfnisse

Bedarf

Die gestaltete und gebaute Umwelt und die gesellschaftlichen Veränderungen führen zu einer extremen  Erwachsenenwelt.

Alles wird nach Erwachsenen-Maßstäben, -Ästhetik und –Bedürfnissen geplant.  Schulen, Kinderkrankenhäuser und Kindertouristenhäuser sind reine Erwachsenengestaltungen mit höchstens, wenn überhaupt einer Kinderecke oder Spielplatzgetto versehen.  Selbst Kinderspielplätze sind oft nicht kindgerecht und meist als gestalterischer und ästhetischer Auslebbereeich des erwachsenen Gestalters benutzt  Oft werden kitschige und dümmliche Gestaltung als „das lieben Kinder“ bezeichnet.

Andererseits durch das Zerbrechen der herkömmlichen Familien müssen oder wollen Alleinerziehende ihre Kinder auf Reisen, in der Freizeit, in Ämter mitnehmen, in reine Erwachsenenbereiche.  Also sind in Bereichen, wo früher ausschließlich Erwachsene waren, heute immer mehr Kinder anzutreffen.

In Bereichen, wo Kinder sich nicht kindgerecht verhalten können, werden Kinder überfordert.  Durch das ständige Überfordern der Kinder und das Unterdrücken kindlichen Verhaltens werden Kinder verhaltensauffällig, was immer mehr zu psychischen Störungen bei Kindern führt.  Dort, wo kindliche Bedürfnisse berücksichtigt werden, wo Kinder sich wohlfühlen, sind Kinder fröhliche und angenehme Lebenspartner.
 

Was sind kindgerechte Bereiche

Plätze, Räume oder auch nur Raumecken, in denen Kinder gemäß ihrer momentanen Bedürfnisse sich weitgehend selbst verantwortlich, frei verhalten, beschäftigen und bewegen können.
 

Wie sind kindgerechte Bereiche

Bereiche, die nach Kinderbedürfnissen, Kinderproportionen und Kinderästhetik (siehe Anhang 1) gestaltet sind.  Bereiche, in denen Gefahren nur soweit gesichert sind, dass Kinder sich selbstsichernd frei verhalten können (siehe Anhang 2).  Bereiche, wo die psychischen und physischen Eigenheiten und Bedürfnisse der Kinder berücksichtigt sind (siehe Anhang 3).  Bereiche, wo Kinder ihrem momentanen Willen gemäß sich frei verhalten dürfen und können.  Das alles zusammen ist kindgerecht.  Kinderleben ist Spielen, also wird eine kindgerechte Umwelt auch eine Spielwelt sein.

Kinder sind in unserere Erwachsenenwelt behindert, also wird ein kindgerechter Bereich auch aus dem Blickwinkel des behindertengerechten Gestaltens gesehen werden müssen, und tatsächlich ist kindgerechtes Gestalten und behindertengerechtes Gestalten in der Praxis kaum auseinanderzuhalten (siehe Anhang 4).
 

Wo sind kindgerechte Bereiche

Nicht nur Spielplatz und Kindergarten sondern auch und gerade Schulhöfe (siehe Anhang 5) und Kinderheime müssen kindgerecht geplant und gebaut werden.

Kinderkrankenhäuser sollten sich mehr an einem fröhlichen Spielhaus als an einem herkömmlichen Krankenhaus orientieren.  Spielen und kindgerechtes Verhalten ist die beste Medizin.

Auf Reisen, im Flughafen, im Flugzeug, im Bahnhof, im Zug, im Bus, im Auto, im Schiff, im Hotel, im Restaurant, im Touristenbereich sind Kinder, wenn dort kindgerechte Bereiche geschaffen sind, nicht mehr lästige, nervende, störende Mitbenutzer sondern fröhliche, spassmachende, angenehme Freunde.

In der Stadt, in der Fußgängerzone, im Kaufhaus, in den Geschäften, in allen Ämtern, in der Verwaltung sollten kindgerechte Bereiche vorhanden sein, damit die Erwachsenen ungestört und unabgelenkt ihrer Tätigkeit nachgehen können, während sich die Kinder in der Wartezeit spielerisch selbst beschäftigen können.

Bei Sportveranstaltungen, Freizeitveranstaltungen sollten Kinderbelange auch berücksichtigt werden.
Bei Unfallhilfe, Katastrophenhilfe sollte eine Kinderspiel-Erstehilfe vorhanden sein.

Unsere gesamte gestaltete Erwachsenenumwelt sollte aus dem Blickwinkel des Kindgerechten überdacht werden (siehe Anhang 6).
 

Warum Aufbaustudium zum Fachberater

Kinderpsychologen, Entwicklungspsychologen, Pädagogen und Sozialarbeiter wissen, was Kinder brauchen, was Kinder wollen aber sie haben nicht die Ausbildung, als Gestalter oder Planer ihr Wissen umzusetzen, anzuwenden und eine kindgerechte Welt zu gestalten.  Sie haben selbst nicht einmal die Sprache oder Begrifflichkeit der Gestaltung, um sich den Gestaltern und Planern mitzuteilen.

Die Planer und Gestalter haben nicht die Sprache und Begrifflichkeit der Pädagogik und Psychologie, um die Kinderbedürfnisse zu sehen, zu verstehen und in ihre Planungs- und Gestaltungsarbeit umzusetzen.  Es sind zwei Welten, die, obwohl sie glauben, eine gemeinsame Sprache zu haben, aneinander vorbeireden, ohne zu verstehen.

Sinnvoll wäre es, wenn beide Seiten die Sprache und Begrifflichkeit der anderen Seite lernen würden.  Architekten, Gestalter und Planer die Begrifflichkeit, die Sprache und die Voraussetzungen der Pädagogik, Psychologie und Pädagogen, Psychologen und Sozialarbeitern die Begrifflichkeit, Sprache und Arbeitsbedürfnisse der Gestaltung, Planung und Architektur.  Das wären aber zwei verschiedene Studiengänge für zwei verschiedene Vorbildungen zweier verschiedener Berufsziele.

Wobei heute in der Praxis die Architekten die Schulen, Kindergärten und Freizeitanlagen bauen aber dafür keine Vorbildung haben, die sie dazu befähigen.  Auch Landschaftsplaner und Gartenbauarchitekten, die Spielplätze planen, berühren in ihrer Ausbildung dieses Thema kaum, oftmals haben sie noch nicht einmal die notwendigen Sicherheitsnormen gelernt.  Es wäre sicher sinnvoll, in das Studium der Architekten das Fach „Kindgerechtheit“ mit einzubauen, um die Architekten für die Kindbelange zu sensibilisieren.  Dies ist aber nicht Aufgabe des Aufbaustudiums zum Fachberater für Kinderbedürfnisse.
 

Vorbildung der Studenten

Für die didaktische Arbeitsweise eines Fachberaters wäre ein Vorstudium von Psychologie, Pädagogik oder Sozialarbeit als Voraussetzung des Aufbaustudiums sinnvoll.  Als weitere Vorbedingung wäre eine Berufserfahrung im Bereich Verwaltung, Kinderbetreuung oder Bauabwicklung hilfreich.
 

Studienthemen/Studieninhalte

Der Studiengang soll komplex alle kindrelevanten Themen behandeln, einige sehr ausführlich, einige nur am Rande streifen, je nach Wichtigkeit für die zukünftige Arbeit.

Der gesamte Studiengang soll sehr praxisorientiert und zeitnah die Themen behandeln.  Ältere und überholte Denk- und Erkenntnisansätze sollen nicht oder nur auf heutige Auswirkungen hin behandelt werden.

Alle Vorschläge stehen selbstverständlich zur Diskussion und zur Disposition.
 

Gestaltung

- Einführung in Zeichentechniken als Kommunikationshilfe
- Einführung in Planungsverfahren, Planungstechniken, Planungsablauf
- Einführung in Baurecht, Sicherheits- und Planungsnormen
- Lesen von technischen Zeichnungen, Planungsunterlagen
- Baumanaging, Organisation von Realisierung/Durchführungsaufgaben
- Bauüberwachung, Baukontrolle, Bauabnahme
- Planung von kindgerechten Bereichen
- Ergänzen und Prüfung vorhandener Planung auf Kindgerechtheit
- Erarbeitung/Erstellen von Präsentationsmaterial
- Gestaltungs- und Kreativitätstraining
 

Kindverhalten

- Ethnologie und Anthropologie der Kinder
- Entwicklungspsychologie
- Wahrnehmungspsychologie
- Kinderaltersinteressen
- Kinderverhalten in freien Bereichen
- Aggressionsentstehung und Aggressionsabbau, Vandalismus
- Sozialverhalten
- Eigenverantwortliches Sichern und Gefahrvermeidung
- Kinderergonomie und Kinderproportionen
- Kinderphysiologie (Schmutz, Sauberkeit, Hunger, Durst, Toiletten; Wetter:
  Wind, Kälte, Hitze, Allergien)
- Kindersexualität,  Junge/Mädchen Unterschiede und Gemeinsamkeiten
- Kind und Verkehr,  Zurechtfinden, Entfernungen, Reisequalität
- Transportbedingungen, Transportmöglichkeiten, Transportmittelgestaltung
- Andere kindertangierende Bereiche wie:  Senioren, Behinderte, Minderheiten
- Kindgerechte Farben, Formen, Dinge
- Grünplanung und Pflanzen für Kinder
- Kinderumgang mit Tieren
- Kinderfantasie, Kinderkreativität, Kinderlogik
 

Markt

- Geldverdienen durch Kinder,  Kleidung, Trends, Musik, Sport,
  Essen (Mc.Donalds), Spielzeug, Spielgerät
- Kinderprodukte auf dem Markt,  was gibt es nicht für Kinder
- Funktionen von Spielgerät, Spielzeug, Spielbereiche, Spielorte
- Warum, wo und wie Spielsituationen eingesetzt werden
- Marketing für Kinder oder gegen Kinder
- Suchen und Finden von Projektzuschüssen, Fördergeldern, Sponsoring
 

Verhandlungstechniken

- Gesprächsführung
- Training und Organisation von Anhörung, Beteiligung, Einbindung von Betroffenen und Anliegern
- Prioritäten setzen und Konfliktbewältigung bei gegensätzlichen Projektwünschen
- Politisches Arbeiten und Durchsetzen von Planungsergebnissen
- Trainieren von Arbeitsabläufen  „Planen mit Kindern“
- Pressearbeit, Public Relation, Werben für Projekte
- Dokumentation
 

Praxistraining

- Kinderverständnis durch Kinderbeobachtung
- Arbeitspraktikas in Ferienclubs, Hotels, Schulen, Stadtspielplätzen,  Planen und Bauen mit Kindern,
- Arbeitspraktikas mit behinderten Menschen
- Arbeitspraktikas in Grün- und Bauämtern
- Arbeitspraktikas in Architekturbüros
 

Berufschancen

Nach der UN Resolution „Das Recht der Kinder auf Spiel“ ist Kindgerechtheit ein einklagbares Gut.  Das allgemeine Unverständnis für Kinderbedürfnisse bei Architekten, Planern, selbst bei kinderspielplatzplanenden Landschaftsarchitekten gibt einem Fachberater für Kinderbedürfnisse einen großen Einsatzbereich.

Der Beruf  „Fachberater für kindgerechte öffentliche Bereiche“ soll in vorhandenen Denk-, Arbeits-, Planungs- und Verwaltungsstrukturen die Kinder und ihre Bedürfnisse vertreten, diese Erkenntnisse durchsetzen und bei der Realisierung helfen.

Planungs- und Verwaltungsbehörden, Schulbehörden, Betreiber von Touristikbereichen, Freizeitparks aber auch allgemeine Wohnbaugenossenschaften und Architekten können in Zukunft nicht ohne den Fachberater für Kinderbedürfnisse arbeiten.

 

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