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Was ist der Spielwert wert? 

Wenn vom Spielen gefachsimpelt wird, hört man immer wieder den Begriff "Spielwert".  Meist soll mit "hohem Spielwert" zum Ausdruck gebracht werden, daß an dem damit bezeichneten Gerät, Gegenstand oder Situation gut, gerne und oft gespielt wird.  Der Begriff "Wert" setzt eine Wertigkeit voraus, eine mehr oder weniger objektive, vergleichbare, abschätzbare, ordnende Maßeinheit.

Wie kann man den Spielwert einer Schaukel mit dem einer Hütte, den Sielwert einer Rutsche mit dem eines Baches oder den Spielwert einer Landschaft mit dem eines Multifunktionserlebnisspielgerätes vergleichen?  Versucht man diese mit "Hohem Spielwert" umschriebenen Eigenschaften zu analysieren, so merkt man schnell, daß unterschiedliche Eigenschaften, nicht Vergleichbares und nicht Klassifizierbares miteinander vermischt werden.  Dadurch wird das Wort "Spielwert" zum billigen Schlagwort, das keine Qualität beschreibt und  keine vergleichbare Eigenschaft zum Ausdruck bringen kann.

Versucht man zu erforschen, warum und warum nicht an einem Spielgerät gespielt wird, weshalb an zwei scheinbar ähnlichen Spielgeräten das Spielverhalten ganz unterschiedlich sein kann oder warum Spielgeräte mutwillig zerstört und andere nicht zerstört werden, dann stößt man auf "Spieleigenschaften".  Diese Spieleigenschaften der Spielgeräte bieten Spielmöglichkeiten, die Spielfunktionen haben, mit der der  Spieler seine Spielbedürfnisse ausspielen kann.

Wenn es uns bei der Gestaltung von Spielgeräten und Spielsituationen gelingt, die Spielbedürfnisse der zukünftigen Benutzer zu erkennen und dafür entsprechende Spielmöglichkeiten zu schaffen, dann werden diese Spielgeräte und Spielsituationen gut, gerne und oft bespielt und Unfälle, Zerstörungen und Vandalismus minimalisiert.

Eine seriöse Erarbeitung von guten Spielsituationen wird durch Erforschung von Spielbedürfnissen und Entwicklung von Spielfunktionen geprägt, je mehr Erfahrungen man damit gesammelt hat um so mehr wird man sich von dem Schlagwort "Spielwert"distanzieren.
 

Pädagogik

Pädagogik ist die Lehre, von uns Erwachsenen erdacht, die beschreibt, wie wir Erwachsenen mit Kindern umgehen sollten, damit die Kinder so werden, wie wir Erwachsenen glauben, daß Kinder sein müssen.

Kinder lernen von ihrer Umwelt, Kinder imitieren die Erwachsenen ihrer Umgebung.  Wenn wir Erwachsenen uns so benehmen und verhalten würden, wie wir wollen, daß unsere Kinder sich benehmen sollten, brauchten wir kaum zusätzliche Erziehngsmaßnahmen.

Wir haben die Pädagogik geschaffen, um das natürliche Nachahmungsverhalten der Kinder zu unterdrücken, und statt dessen in Form einer mehr oder weniger starken Dressur, ihnen unseren Willen aufdrücken zu können.  Wir wollen gut erzogenen Kinder haben, auch wenn wir uns als Erwachsene so willkürlich, lässig, flegelhaft, unkontrolliert oder schlecht benehmen, wie es uns in den Sinn kommt und wir täglich tun.

 

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