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Überlegungen zu Konzepten für kommerzielle Freizeitparks

Allgemein gesehen sind alle Parks „Freizeitparks“, und alle haben eine kommerzielle Seite.

Anschaffung, Besitz, Einrichtung, Pflege, Erhaltung und Haftung sind kommerzielle Aspekte.  Aber auch die nicht unmittelbar auf Einnahmen bezogenen Aspekte wie Erholung, Erlebnis, Bildung, Imagepflege, Umweltverbesserung, Wohnqualitätsverbesserung durch einen Park können indirekt kommerzielle Auswirkungen haben.

Doch hier soll nur über die eintrittskostenpflichtigen Freizeitparks nachgedacht werden.  Wobei auch Bundes- und Landesgartenschauen als temporäre Freizeitparks gesehen werden können.  Aber auch Tierparks, Zoos, Botanische Gärten, Badeanstalten, Schlossparks, Museumsanlagen, Ferienanlagen, Campingplätze und Hotelanlagen im ursprünglichen Sinne sind kommerzielle Freizeitparks mit vergleichbaren Problemen.

Ein kommerzielles Unternehmen setzt Geld um und muss einen Gewinn erwirtschaften, um bestehen zu bleiben.  Die Kosten der Einrichtung, des Betriebs und der Werbung müssen durch Eintrittsgelder, Verkauf von Souvenirs, Speisen und Getränken wieder eingespielt werden.

Es besteht also eine Abhängigkeit zwischen den Kosten, die dem Besucher entstehen und den Kosten, die den Freizeitpark existieren lassen.  Dieses Kostenverhältnis kann zu Gunsten der Besucher durch Zuschüsse, Sponsoring oder Steuernachlässe verbessert werden, aber es bleibt immer eine gegenseitige Abhängigkeit.  Die Abhängigkeit zeigt sich in den Wünschen und Erwartungen, die der Freizeitpark weckt und der Besucher dafür zu zahlen bereit ist.  Werden die Erwartungen und Wünsche der Besucher durch den Freizeitpark nicht erfüllt, wird die Enttäuschung des Besuchers zur negativen Werbung aber auch zur nicht pfleglichen Benutzung des Parks führen, das wiederum einen allgemeinen Imageverlust mit sich bringt.

Die Wünsche und Erwartungen der Besucher werden durch die Einrichtung und Werbung des Freizeitparks geweckt.  Einrichtung und Werbung sollten deshalb ehrlich und einschätzbar nur die Erwartungen wecken, die erfüllt werden können.  Ein Märchenpark wird nicht von Singles und ein Technopark nicht von Naturliebhabern als Erfüllung ihrer Wünsche gesehen werden.  Deshalb muss der Freizeitpark und seine Werbung auf die Zielgruppe ausgerichtet sein und diese Zielgruppe mit Argumenten und der Form der Argumente so ansprechen, dass sie verstanden werden.

Wobei auch jede Zielgruppe unbewusste Wünsche und Erwartungen hat, die, wenn sie erfüllt werden, zu Wohlbefinden und Zufriedenheit führen, bei Nichterfüllen aber ein Gefühl der Leere, der unbewussten Unzufriedenheit, des „ich hatte mir mehr erwartet“ hinterlässt. 

Diese Erkenntnisse haben dazu geführt, dass viele Freizeitparks für alle alles bieten wollen und mit  einer unüberschaubaren Ansammlung von Architektur- und Dekorationselementen, mit Unmengen von Funktionseinheiten und technischen Fahrgeschäften wie eine immerwährende Kirmes betrieben werden.  Dadurch kann bei den Besuchern das beunruhigende Gefühl entstehen, nicht alles gesehen, benutzt und das meiste verpasst zu haben.

Also nicht nur die falsche Zielgruppe auch das Überangebot führt zu Enttäuschung und zum Imageverlust.  Dazu gehört auch der Fehler mancher Freizeitparks mit Superlativen „der größten, schnellsten, höchsten…usw.“ zu werben.  Denn sie sind nur sehr kurz Inhaber irgendwelcher Rekorde und sehen dumm aus, wenn in derselben Saison ein anderer Park noch einen höheren Rekord bietet.

Die Erfüllung der bewussten und unbewussten Erwartungen und Wünsche der Besucher wird über das Wiederkommen bestimmen und so zu einem treuen Besucherstamm führen.

Oft ist den Freizeitparkbetreibern und Besitzern gar nicht bewusst, welche Zielgruppe sie mit ihrem Angebot ansprechen und womit sie ihre angesprochene Zielgruppe enttäuschen oder begeistern.  Oft wird durch Unkenntnis in die falschen Bereiche investiert und mit zufälligen Werbeaussagen sehr uneffektiv gearbeitet, obwohl man glaubt, für alle was zu bieten.

Zum einen kann man die Freizeitparks in Gruppen nach Gestaltungsart und Benutzerfunktionen gliedern, zum anderen wie der Benutzer den Park nutzt und welches Erlebnisgefühl er anschließend mit nach Hause nimmt.  Natürlich sind die Grenzen fließend und manche Parks kann man sowohl als auch zu verschiedenen Gruppen zählen.  Wobei es Gruppen gibt, die sich gegenseitig ausschließen und Parks, die solche Themen vermischen, oft große Probleme haben.  Deshalb ist es sehr wichtig, eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten des Parks und der Benutzergruppe zu analysieren und bei Bedarf, bewusst eine Erweiterung oder Veränderung der Parkmöglichkeiten zu planen, um eine neue, andere oder zusätzliche Benutzergruppe ansprechen zu können.

 

Freizeitparks nach Gestaltungsarten

 -  Dekorationswelten

    dazu können gehören:    - Imitationswelten

                                        - inszenierte Geschichten

                                        - Schlossparks und Schlösser

                                        - evtl. auch Gartenschauen

 

 -  Sport- und bewegungsaktive Parks

    dazu können gehören:    - Kletterparks 

                                        - Hindernisparcours

                                        - Trendsportanlagen

                                        - Bade- und Schwimmanlagen

 

-  Fahrgeschäftparks

   dazu können gehören:     - Achterbahnen, Geisterbahnen

                                        - Riesenrad, Falltürme, Schleuderanlagen

                                        - Riesenrutschen, Gocartbahnen

 

-  Erlebnis- und Naturparks    

   dazu können gehören:      - Landschaftsparks

                                         - Bio-, Öko-, Naturschutzparks

                                         - Kunst-, Kreativparks 

                                         - Gesundheits- und Wellnessparks

                                         - Tierparks, Zoos, Botanischer Garten

 

-  Technoparks

   dazu können gehören:       - Science-Museen

                                          - Technik Museen

                                          - Physikalische Effekte Anlagen

                                          - Sinneswahrnehmungsparks          

 

-  Einkaufsparks

   dazu können gehören:        - Factory-Outlet Anlagen

                                           - Museumsläden

                                           - Einkaufszentren  

                                           - Eventparks

                                           - Kunstmarkt, Weihnachtsmarkt

                                           - Rockfestival,  Oldtimertreffen  

 

Durch die Aufzählung der Parkschwerpunkte kann man schon abschätzen, wo Senioren, Kinder, Behinderte, Teenies, Sportler. Singles, Arme, Reiche, Musische, Naturliebhaber, Technofreaks oder sonst wer hauptsächlich hingehen werden.

Nach der Benutzungsart zu gruppieren, ist oft gar nicht so eindeutig sondern viel mehr übergreifend.

Passive Parks

(fremdbestimmt)                  - gefahren werden

                                          - Achterbahn, Fallturm usw. (Sekundeneffekte)

                                          - Dekoration anschauen  (nicht berühren)

                                          - Animationsveranstaltungen  (einer sagt, alle müssen)

                                          - Kletterführung  (angeleint)

                                          - Parcours  (durch Hindernisse getrieben werden)

 

Aktive Parks

(selbstbestimmt)                  - selbst gehen, selbst entdecken, Eigeninitiative,

                                          - freies Klettern, Schwierigkeitsgrad, Tempo selbst bestimmen

                                          - Experimente, anfassen, wiederholen                    

                                          - durch Tun verändern

                                          - abbrechen, verweilen, weitermachen nach eigenem Wunsch

                                          - miteinander, sozial stimulieren

 

Freizeitparks nach den Erlebniseffekten zu gliedern, ist nicht generell sondern nur von Fall zu Fall nach den Details des Parks möglich aber trotzdem lohnenswert.

Grundsätzlich sollte ein Freizeitpark viele Spielmöglichkeiten haben.  Was wir unter „Spielen“ verstehen und was „Nichtspielen“ ist, kann ich aus Platzmangel hier nicht ausgiebig und umfassend erklären, aber so viel ist unstrittig:  Spielen ist freies und freiwilliges Tun.  Spielen führt zu Lernen, zu Entdecken, zu Kreativität.  Spielen macht Freude, Spielen trainiert und Spielen führt zum Miteinander.  Also sollte jeder Freizeitpark viel Spielen zulassen und das Miteinander fördern.  Alles sollte Freude machen durch körperliche und geistige Bewegung.

Wodurch ein Freizeitpark Freude eher einschränkt und womit nur eine sehr begrenzte Benutzergruppe  befriedigt wird, sind Banaleffekte, ideologische und pseudowissenschaftliche Aussagen, übertriebene Spaßmacher oder Hauruck-Lustigsein-Gebote.  Animation muss auf die Benutzergruppe sensibel abgestimmt sein, wenn es stimulierend wirken soll.  Animation als aufdringliche Pausenclownerie verstärkt das Gefühl der Fremdbestimmung, kann stimmungstötend und eher imageschädlich sein.

Wenn man ein Konzept für einen Freizeitpark entwickelt, sollte man aus der Sicht des Besuchers die einzelnen Funktionsschritte durchdenken und überlegen, was und wie man die einzelnen Schritte beachtet und was man für diese Schritte tun sollte und was nicht.

Die Funktionsschritte sind:

-   Das erste Mal davon hören

-   Erwartung wecken

-   Besuchsentschluss fassen

-   Anreise, Hinfahrt

-   Finden, Hinweise, Symbole

-   Parken, Eintritt zahlen, Eintreten

-   Orientieren, Übersicht, Zurechtfinden

-   Entscheiden was , wie, wann, in welcher Reihenfolge

-   von einem Ereignis zum anderen wandeln

-   Erlebnisse, Ereignisse wahrnehmen, darin versinken, sich wohl fühlen, es genießen

-   Rasten, Pause, Erholen

-   Zwischenbilanz – welche Ereignisse noch mal, welche nicht mehr, auf welche wird ganz verzichtet

-   zum Ende kommen

-   Andenken,  Erinnerung kaufen, Programme fürs Wiederkommen

-   Ausgang finden

-   Parkplatz /Bahn /Bus finden

-   Rückreise

-   Nachhausekommen, zur Ruhe kommen, Erinnerung, Erzählen

-   Wunsch wecken, wiederzukommen

-   Kontakt halten

 

Ein Freizeitpark ist kein starres Produkt, er verändert sich ständig durch die Besucher, die Witterung, Pflege und die persönliche Stimmung.  Ein Besuch an einem leeren Wochentag oder an einem übervollen Ferienanfang, im Regen oder in Sonne, im Winter, im Sommer ist jedes mal ein anderes Erlebnis.

Ein Freizeitpark ist ein Prozess, der beeinflusst, gefördert oder behindert werden kann, aber immer in Bewegung bleibt.  Dieser geförderte Prozess kann dazu genutzt werden, dass viele Besucher wiederkommen und so zu dem kommerziellen Erfolg des Freizeitparks beitragen.  Für Neubesucher muss ein größerer Werbeaufwand getrieben werden  als für den zufriedenen, von allein wiederkommenden Stammkunden.  Nicht die Investitionshöhe und nicht der Betreibungsaufwand entscheidet über das Wiederkommen des Besuchers sondern sein Wohlgefühl und das Gefühl, für das eigne Geld Wünsche und Erwartungen erfüllt bekommen zu haben.

 

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